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borghild, die sexpuppe der nazis, und ich

· Mittwoch, 22. Juni 2005 [W] · 10:02 Uhr ·
abt. für medien

oder wie ich mich einmal in der bild-zeitung wiederfand

heute mal eine sensationsgeschichte: mit sex, nazis, geheimen experimenten und verschwundenen dokumenten: ein fall für bild, ganz klar.

es geht um das sogenannte "borghild-projekt". nach der einzigen dazu existierenden internet-seite gab es unter dem projektnamen borghild anfang der 1940er planungen, eine weiblich aussehende puppe herzustellen, die dann den soldaten zur verfügung gestellt werden sollte, um, wie es heißt, den Soldaten die Triebabfuhr zu erleichtern - schließlich hatte man schon zu viele durch geschlechtskrankheiten verloren.

die puppe, deren entwicklung auf eine Initiative von Reichführer SS Heinrich Himmler zurückging und dem Obersten Hygieniker Dr. Joachim Mrurgowsky persönlich unterstand, sollte am deutschen hygiene-institut in dresden gebaut werden. das projekt lag in den händen von franz tschackert, der auch für die "gläserne frau" verantwortlich zeichnete.

borghild.de führte im weiteren en detail aus, welche bekannten frauen zunächst als modelle für die entwürfe erworgen wurden, welche materialprobleme entstanden etc. pp.

die startseite ist zwar inzwischen offline, kann aber im internet archive noch betrachtet werden; die deutsche und englische unterseite mit den wesentlichen informationen sind noch online.

***

die Geheime Reichssache - Das Borghild-Projekt 1941 kam mir erstmals vor etwas über einem jahr unter die finger, als im mai 2004 die anfrage einer kanadischen forscherin über das h-histsex-netzwerk kam, ob irgend jemand näheres über das sogenannte "borghild-projekt" wisse.

ich kramte ein wenig und stöberte und stellte fest, daß sich ohne größere nachforschungen nur wenig herausfinden ließ. dies war einfach: joachim mrugowsky gab es wirklich (auch wenn er sich nicht Joachim Mrurgowsky schrieb), ebenso franz tschackert und die gläserne frau. so weit, so naheliegend.

für eines der bilder auf borghild.de war bereits in der h-histsex-mail von annette f. timm eine mögliche quelle angegeben: offensichtlich war dieses bild einer schaufensterpuppe geringfügig modifiziert worden; aber das ist ja unter dem bild bereits angedeutet: Rekonstruktionsversuch an einer Schaufensterpuppe (Quelle: Female Runner - Made By Mondo ) - dazu später mehr.

zwei letzte, naheliegende schritte wollte ich noch machen: ich versuchte vergeblich, den admin-c ausfindig zu machen (er steht nicht im telefonbuch, und das hat sich bis heute nicht geändert), und schrieb dann noch je eine e-mail an das deutsches hygiene-museum in dresden und an die auf borghild.de angegebene e-mail-adresse.

natürlich bekam ich nur vom dhmd eine antwort, und die sehr freundlich: nein, man habe von diesem projekt noch nichts gehört, halte sicher auch nichts für ausgeschlossen, habe jedoch aufgrund der Beschreibung der technologischen Prozesse gewisse zweifel. im übrigen seien bislang auch keine anfragen zum "borghild-projekt" bei ihnen eingegangen.

das schien meine vermutung, es hier mit ausgemachtem dünnsinn zu tun zu haben, hinreichend zu bestätigen. viel weiter mochte ich nicht suchen, und daß ich eigentlich einen launigen blogeintrag dazu schreiben wollte, geriet dann irgendwie zwischen reichlich arbeit und anderen interessanten dingen in vergessenheit.

(pausenmusik. ein jahr geht vorbei.)

***

am 9. juni dieses jahres war borghild plötzlich wieder da. die junge dame, blond, dem landser ergeben und aller wahrscheinlichkeit nach erstunken und erlogen, tauchte als Nazi sex doll völlig unerwartet bei den spezialistinnen für kurioses aus aller welt auf, bei boing boing. woher kam sie diesmal?

die spur ließ sich leicht zurückverfolgen über fleshbot und blogcritics.org zu secular blasphemy. dieser wiederum war durch einen hinweis aus norwegen nicht nur auf auf borghild.de, sondern vor allem auf einen artikel in der bild-zeitung vom 28. mai 2005 aufmerksam geworden: ließ hitler sex-puppen für deutsche soldaten bauen?

050613_bild_borghild.jpgder artikel käut nur wieder, was im internet schon zu lesen war, und garnierte das noch mit einem bild von "borghild", das so wenig authentisch ist wie die bilder auf borghild.de: eine BILD-Fotomontage mit Heidi-Zöpfen (sofa). wenigstens hatte man sich anscheinend die mühe gemacht, mit dem dhmd zu sprechen, ohne deswegen allerdings den artikel vielleicht nicht zu bringen. der wie endet? was sahen meine ungläubigen augen?

Die Leiterin der Sammlung [des dhmd], die Kulturwissenschaftlerin Susanne Roeßiger (43): "Die Anfrage eines Wissenschaftlers der Freien Universität Berlin hat uns auf diesen durchaus interessanten Bericht aufmerksam gemacht. Seitdem recherchieren wir und prüfen unsere Archive. Bislang allerdings ohne Ergebnis."

so also, liebe freundinnen und freunde, geriet ich eines tages in die bild-zeitung. meine erste erwähnung, und das auch noch als wissenschaftler der freien universität berlin! im zusammenhang mit einer sexpuppe!

ich, der erste nazi-sexpuppen-wissenschaftler der freien universität berlin!

***

jetzt fühlte ich mich ein wenig verantwortlich für das weitere schicksal dieser geschichte und beschloß, doch noch einmal – mit einem zusätzlichen stapel skepsis gerüstet - nachzuwühlen.

keine der angeblich an "borghild" unmittelbar beteiligten personen außer franz tschackert und joachim mrugowsky konnte ich in biographischen nachschlagewerken ausfindig machen, weder arthur rink, angeblich ja immerhin Meisterschüler des Bildhauers Arno Breker und heute noch lebendig (nein, auch er hat kein telephon), noch ole hannussen und rudolf chargeheimer, deren namen im übrigen wie bilderbuchbeispiele für namen erflunkerter personen wirken.

die im text genannten materialien, verfahren und firmen hat es zumindest zum teil wohl tatsächlich gegeben - elastolin wurde als kunststoff für spielzeugfiguren verwendet, die rheinische gummi und celluloid fabrik heißt heute schildkröt, und vermutlich machen die auf borghild.de üblichen tippfehler aus der württembergischen metallwarenfabrik (also wmf) die Würtembergischen Metallfabrik. das alles sind informationen, die sich leicht zusammentragen und als einsprengsel verwenden lassen; sie sagen also nichts über die glaubwürdigkeit von borghild.de aus.

mindestens ein kapitaler fehler hat sich auf borghild.de eingeschlichen, dort heißt es:

Angesichts der Entwicklungen an der Ostfront wurde aber schon eine Woche später der Etat gekürzt und das Borghild-Projekt Anfang 1942, kurz nach Stalingrad auf Eis gelegt.

da die schlacht von stalingrad erst im februar 1943 zu ende ging, hätte man tschackert und konsorten bei so vorausschauendem handeln sicherlich sofort zu haus- und hofsehern des führers gemacht; von einem solchen aufstieg ist allerdings nichts bekannt.

der oben bereits erwähnte hinweis, daß die eingefügten abbildungen rekonstruktionen anhand moderner schaufensterpuppen seien, fehlt interessanterweise in der ältesten fassung der seite und wurde anscheinend ende 2003 eingefügt. in der frühesten fassung konnte also der eindruck entstehen, daß die bilder etwas mit den unten angefügten bildunterschriften zu tun haben, die sich wiederum angeblich auf von arthur rink aus dem mülleimer gezogene photographien von "borghild" beziehen.

der autor von borghild.de ist also mit seinem text nicht immer besonders sorgfältig umgegangen (die tippfehler verstärken diesen eindruck ja noch). doch auch seine eigene biographie wirft fragen auf. Norbert Lenz, angeblich 1966 in hamburg geboren, hat zwar, wie zu lesen ist, für stern, max und focus gearbeitet, nach meiner anfrage stellte sich allerdings heraus, daß stern und max einen norbert lenz nicht kannten – und focus hat bislang nicht geantwortet.

und damit man ihm als freien journalisten auch ja keine aufträge zuschustern kann, ist er sicherheitshalber ebenfalls nicht im telefonbuch eingetragen.

eine letzte anfrage ans dhmd brachte eine weitere freundliche antwort, man habe seit meiner anfrage keine handfeste spur finden können, norbert lenz sei bei allen zeitschriften, für die er angeblich geschrieben habe, unbekannt, verwandte tschackerts und auch ehemalige mitarbeiter wüßten von nichts, auch wenn einem von ihnen anscheinend der name "arthur rink" ein begriff war – ohne daß daraus sich weiteres ergeben hätte.

***

mit anderen worten: borghild ist ein phantom, und kein besonders attraktives. ihr weiter nachjagen mag ich nicht. ich habe ein bißchen in bibliotheken gewühlt, im netz gekramt und mehr: wer will, mag den stab aufnehmen und das spiel weitertreiben. ich bin noch neugierig genug, daß ich weitere hinweise gerne entgegennehme – aber nervt mir die freundlichen menschen am dhmd nicht!

(dies ist mein bisher längster blogeintrag, und während ich daran schrieb, hat sich jens baumeister der sache ebenfalls angenommen – mit ähnlichem ergebnis [gesehen bei transblawg].)

was lernen wir jetzt aus alledem? nicht viel neues. daß es manches nicht gab. daß bild sich für recherche nicht interessiert, für sex und nazis (vor allem in kombination) aber gerne, weil, das wollen ja die leute, wir alle.

dabei ist forschen, baby, wirklich sexy.


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Nazi sex doll story: das ist bogus
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Weblog: Boing Boing
Registriert: 23.06.05 04:41
Bemerkungen/Kommentare

Na, auf dem Sprung zum Onlinejournalisten? ;o)

Gute Recherche, spannende Geschichte, klasse Text! Chapeau!

von der liebe M., Zeit: 23.06.05 02:16

whois borghild.de
whois first-androids.de

'nuff said.

von Andreas Bogk, Zeit: 29.06.05 16:04
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