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the last episode

· Mittwoch, 18. Mai 2005 [W] · 22:18 Uhr ·
abt. für film , abt. für filmkritik

zweiundzwanzig jahre. irgendwann im sommer 1983, in den usa, bin ich ins kino gegangen. ich glaube mich an einen großen parkplatz vor dem kino zu erinnern, aber das heißt in den usa natürlich nicht viel. so, vielleicht nur so ähnlich, muß meine zeit mit den jedi-rittern begonnen haben. wahrscheinlich wäre meine geschichte anders gelaufen, wäre es ein anderer film - oder nur ein anderer film der ersten trilogie - gewesen, so aber geriet war ich hin und weg: return of the jedi war gerade angelaufen.

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mein held (und wohl nicht nur meiner) war luke skywalker, mein bruder war eher von han solo angetan, dem space cowboy mit seinem rasenden schrotthaufen und der flotten schnauze.

auf den garage sales der wochenenden legten wir den grundstock unserer figurensammlung, die heute weitgehend verstreut, weggepackt, vielleicht auch weggegeben ist. plastikfiguren der ersten stunde, die heute nur noch spezialisten zu erkennen wissen: hammerhead zum beispiel (ein ithorianer, wie ich jetzt weiß), greedo und r5-d4 oder obi-wan, dessen lichtschwert als kleines plastikstäbchen in seinem arm steckte und mit einer kleinen fingerbewegung hervorkam.

mit vollem körpereinsatz der kapitalistischen bedürfnisproduktionsindustrie wurde die sehnsucht geweckt, auch das unerreichbare zu haben - alles ging ja nicht, erstaunlich viel ging, vom tie-fighter bis hin zum schneegleiter und taun-taun. selbstverständlich war das nicht. das lichtschwert, den light saber, gab's in deutschland damals gar nicht, und weil die sehnsucht wohl, die wirtschaft aber nicht globalisiert war, blieb erstere unerfüllt.

das lichtschwert gab es dennoch, etwas windschief: ein holzstab, leicht gekrümmt, mit floureszierenden plaka-farben selbst bemalt. so entstehen schließlich peinliche photographien von meinem bruder und mir, im garten, in kleidung/verkleidung, an der ich, bilde ich mir ein mich zu erinnern, selbst mitnähte, damit das schwarze oberteil sich ebenso schick in falten legte wie das von luke, als er jabbas krieger ins schwitzen bringt.

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die figuren sind, wie gesagt, weitgehend verschollen. aus polen begleitete mich vor ein paar jahren unter neben protestkundgebungen der principessa eine nicht ganz kleine plastikfigur von boba fett, die jetzt noch schreibtisch schmückt.

050511_bobafett.jpg

warum boba? ich weiß es nicht. er taucht in episode v und vi so kurz auf, daß man ja kaum etwas über ihn erfährt; aber irgendwie war er cool mit seinem helm, seiner rakete, seiner rüstung.

wenn mir natürlich jemand eine ähnlich große yoda-figur mit lichtschwert zukommen lassen möchte oder eine schicke aayla secura, gerne, dann bekommt boba einen bescheideneren platz.

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den ersten film konnte ich fast auswendig nachsprechen, ohne ihn gesehen zu haben - eine platte mit den originaldialogen war eine meiner ersten selbstgekauften schallplatten (ähnlich wie jim knopf und die wilde 13 mein erstes selbstgekauftes buch war - aber das ist eine andere geschichte).

ich kann nicht mehr rekonstruieren, wo, wann und wie ich episode iv und v zuerst gesehen habe. die reihenfolge war bei mir von anfang an gekrümmt, begann mit sechs und arbeitete sich dann schrittweise von oben und schließlich auch von unten auf die drei zu: da hatte sie letzten freitag ein ende. endlich.

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nach all den jahren des wartens war episode i der vielleicht größtmögliche schmerz. daß der zauber verschwunden ist, kann man ja auch aufs alter schieben - raumschiffe und lichtschwerter sind mit mitte zwanzig nicht mehr so cool, wie sie einmal waren. aber das allein war es nicht, die langerwartete fortsetzung war einfach ein sehr, sehr schlechter film. vielleicht nahm lucas sich inzwischen zu ernst, glaubte, sein mythen-mix vertrage auch härteren tobak oder hielt sich gar selbst tatsächlich für einen der ganz, ganz großen mythenschöpfer. hochmut kommt vor dem fall, weiß count dooku in episode iii. lucas wußte es sechs jahre vorher noch nicht.

so lachten und weinten wir. jar jar natürlich, diese latent rassistische figur, die blödeste idee, die je zu einem eigenen filmcharakter wurde; das pod-race, das so offensichtlich nur dazu da war, um als videospiel vermarktet werden zu können. und, last but most: jungfrauengeburt. jungfrauengeburt, for christ's sake!

ermöglicht durch intervention der midi-chlorianer, über die zurecht zu fragen ist: So now, being one with The Force means you have a higher concentration of microscopic organisms in your bloodstream? What, is The Force now a form of dysentery? (quelle, eine äußerst lesenswerte polemik gegen george lucas, gefunden bei theflow)

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natürlich nervt auch das merchandising, aber zum einen hat lucas es geradezu erfunden, wofür man ihm sicherlich irgendwann einen oscar für besondere verdienste um die finanzen der studios verleihen wird, zum anderen ist es ja nicht so, als sei ich nicht anfällig.

bei einer großen fastfood-kette erwarb ich damals in amerika, um nur eines von vielen beispielen zu nennen, ein trinkglas mit abbildungen der von mir heißgeliebten ewoks, kalt kalkulierten Merchandise-Geschöpfe[n] (david kleingers), das irgendwann später zu bruch ging, dessen scherben aber in einer lebkuchen-dose noch immer irgendwo in meinen archiven lagern (sie wegzuschmeißen brächte ich nicht übers herz). ebenfalls den weg mit nach deutschland fand 1983 ein maßstabsgetreues modell des millenium falcon, das vermutlich noch heute mein ganzer stolz wäre, hätte es nicht durch eine verkettung unglücklicher umstände irgendwann unser treppenhaus in weniger als 12 Parsec durchquert. abwärts, natürlich, der schwerkraft folgend.

im jahr 2005 ist dennoch der medienterror größer, und die tie-ins und spin-offs sind ubiquitär. photos lasse ich mir ja noch gern gefallen bzw. schenken (wirklich, sehr gerne), aber wischtücher? klonkrieger zum kuscheln?

050518_zewastarwarsedition_klein.jpg

wird es noch schlimmer? aber ja, schon im jahr 2030: "The Empire Strikes Back" is re-released 100 percent in its original form, with the exception of a one-second scene featuring 350 new characters standing around in an intergalactic tavern chatting idly. (Action figures available from Hasbro.) (mark bazer)

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mit episode iii hat lucas - bzw. in diesem fall seine kreatur darth vader - es (vermutlich wieder einmal) auf das cover der time gebracht. es wird wohl das letzte mal gewesen sein, aber der einfluß von star wars auf unsere welt, kultur und wahrnehmung ist schon recht unheimlich. vielleicht erscheint es dem fan aber auch nur so: er sieht ja star wars, wo andere einfach nichts sehen. und damit der wahrheit vielleicht recht nahe kommen.

dennoch. der mann hat nahezu eigenhändig das filmgenre der space opera aus der taufe auf die leinwand gehoben. und so viele nachahmer und parodien - z.b. den großartigen spaceballs von mel brooks - hat man auch nicht ganz ohne grund, von den treu filme produzierenden fans ganz zu schweigen.

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gestern war dann also große deutschland-premiere mit prominenz und fans (meine photos sind bei flickr und bei berlinonline). der rote teppich wurde von sturmtruppen bewacht, auch wenn es nicht ganz ganz so viele waren. vor der aufführung war die stimmung leicht hysterisch, vor allem, als ms. portman und mr. lucas erschienen. im saal gab es keine völlig frenetischen beifallsorgien oder gar fans, die sich von der brüstung stürzten, weil mit diesem ende in ihrem leben kein sinn mehr lag. es gab reichlich jubel.

DSC07922.jpg

die jungen damen sprachen gerne mit der presse und ließen sich photographieren; ein wenig war ich noch überrascht, daß so viele frauen ins kino strebten (und keineswegs immer widerwillig in begleitung von männern), aber nur noch ein bißchen, hatte ich doch auf dem weg zur vorstellung the politics, community, and treatment of female fans of the star wars universe von shawna savitri seth gelesen.

die filme werden dieser geschlechterverteilung natürlich nicht gerecht, und gerade episode iii ist ein musterbeispiel dafür, wie noch und noch patriarchaler lucas' universum mit den abschließenden drei filmen geworden ist.

das hat auch damit zu tun, daß lucas keine ahnung hat, wie man eine erwachsene liebesbeziehung zeigen soll. so sind die liebesszenen nicht besonders zahlreich und nicht besonders lang, aber dafür schlechter als jemals zuvor. die kurzen gespräche, die padmés schwangerschaft betreffen, sind von exquisiter einfältigkeit, nicht zuletzt weil die anerkannte senatorin der galaktischen republik bei einsetzen ihrer schwangerschaft ihr gehirn abgegeben und sich dafür entschieden hat, aber jetzt nur noch für ihren fötus zu leben.

ach, pardon, es sind ja zwei föten! aber What can you say about a civilization where people zip from one solar system to the next as if they were changing their socks but where a woman fails to register for an ultrasound, and thus to realize that she is carrying twins until she is about to give birth? (anthony lane) nichts, wahrscheinlich.

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es hilft alles nichts: ich bleibe ein fan. mit distanz und ironie, vor allem mit einer vorliebe für return of the jedi, aus nostalgie vielleicht oder weil mich jabba the hutt immer so schön an franz josef strauß erinnert. wer als kind den duft und das surren der laserschwerter eingeatmet und gehört hat, dem geht all das nicht mehr aus dem kopf.

deshalb, zum abschluß einer langen geschichte, die doch nicht endet, ladies and gentlemen: begrüßen sie mit mir star wars: episode iii - die rache der sith (von mir gesehen und besprochen für critic.de, ihre freundliche online-zeitschrift für filmkritiken).

möge die macht mit uns allen sein.

(... das wollte ich schon immer mal schreiben.)

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