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rochuswolff.de
[i:rrhoblog]

nicht so gut

· Donnerstag, 15. April 2004 [W] · 21:38 Uhr ·
abt. für bücher

auch wenn's das, worüber man schreibt, wirklich gab (und welche rolle spielt's? keine. vielleicht wird es irgendwann einmal auch einen nazibäckerroman geben, weil der nazi doch auch brot gebacken hat. [praschl, via mutant]) - sich so zu präsentieren macht doch auch eher dumm: thor kunkel - vom enfant terrible zum visionären erzähler.

heldenhaft auch: für "endstufe" stellte kunkel ausgiebige recherchen an, verfolgte die spur tatsächlich existenter nazi-pornos (der sogenannten sachsenwald-filme) nach schweden, nordafrika und in ein deutsches altersheim. filme will er jetzt auch noch machen, um damit deutschland wieder auf die landkarte der filmwelt zu setzen. echt radikal, auch mit knarre und so.

der mai ist gekommen, die bewegungen schlagen zu

· Donnerstag, 15. April 2004 [W] · 13:09 Uhr ·
abt. für schöneres leben

langsam wird es zeit, sich regelmäßig zu informieren, einfach, damit ich weiß, ab wann ich voraussichtlich am 1. mai nicht mehr ohne weiteres oder ohne weitere umwege nach hause käme. ein nachbar, der zur geburtstagsfeier am vorabend lädt, legt seinen gästen dringend nahe, doch einen ausweis mitzubringen, um in den allgegenwärtigen kontrollen der zahlreich erscheinenden polizei nicht unterzugehen. etc. und es geht auch schon los.

derweil plant man, durch kostenlosen besuch der moma-ausstellung ein zeichen zum bzw. gegen den "sozialabbau" (ein häßliches wort für eine häßliche sache) zu setzen.
moma-umsonst_ausschnitt.jpg

die aktion moma umsonst richtet sich nicht in erster linie gegen die neue nationalgalerie, sondern gegen ein system, in dem kunst wie so vieles andere auch, nicht für alle zugänglich ist, die interesse daran haben.

hehres ziel. hoffentlich kommt dabei niemand auf relativ dumme einfälle. vielleicht ist es eine nur bedingt gute idee, eine dann am rande der legalität entlangschrammende aktion in einen geschlossenen raum zu führen, in dem kunstgegenstände von aberwitzigem monetärem wert hängen, deren besitzerinnen sich keinen moment scheuen werden, ihre anwälte (und/oder versicherungen) auf evtl. störerinnen loszulassen. ein raum im übrigen, der von überwachungskameras recht überladen sein dürfte.

kulturpessimistisch und advocatusdiabolihafterweise könnte man natürlich noch vorsichtig fragen, ob denn all jene, deren "interesse" hier reklamiert wird, bei niedrigeren oder gar keinen eintrittspreisen wirklich die moma-ausstellung besuchen würden, wenn nicht die, wohlgemerkt sehr kapitalistische, werbekampagne wäre, die die bilder vielleicht für manche erst sehenswert macht. oder weitergedacht: wären die bilder überhaupt so "wertvoll" im nicht-monetären sinne, wenn das oben bemühte kunstsystem ein anderes wäre?

memespielchen

· Donnerstag, 15. April 2004 [W] · 12:45 Uhr ·
abt. für albernheiten

1. grab the nearest book.
2. open the book to page 23.
3. find the fifth sentence.
4. post the text of the sentence in your journal along with these instructions.

"aus sicht der cinepsychoanalyse", so schreibt christine gledhill, "weicht das kulturalistische argument, dass stars zu stars werden, weil sie ihrem publikum etwas bedeuten, der frage aus, wie sie als identifikationsmechanismen ideologisch funktionieren, und vernachlässigt die komplexen subjektiven prozesse, die in die herstellung von bedeutung einfließen."
susanne weingarten, bodies of evidence. geschlechtsrepräsentationen von hollywood-stars

(via mädchenzimmer, zurückverfolgt bis leuschke.org)

addendum15. april 2004, 20:40 Uhr: natürlich kann man das noch weiter zurückverfolgen - oder auf anderen wegen weiter, wie bei benni geschehen, der die gleiche quelle findet; von dort geht's dann zurück über letztlich long story short pier, elkins und amy zu sternel, der zum bedauern eines anonymen menschen - nicht ich - keine quelle mehr angibt. im livejournal versickert, aber ehrlich: ist das wirklich so wichtig?

monster | real life

· Donnerstag, 15. April 2004 [W] · 12:28 Uhr ·
abt. für film , abt. für nachbars kirschen

heute kommt monster in die deutschen kinos, und deshalb gerne der verweis auf eine vor zwei monaten bei salon erschienenen geschichte: callie milton erzählt von ihrer, der von aileen wuornos in vielen punkten nur allzu ähnlichen geschichte. äußerst lesenswert.

por-no-gra-phie

· Donnerstag, 15. April 2004 [W] · 12:18 Uhr ·
abt. für bücher

und zurückgerudert: ich bin auch recht leichtgläubig, wie meine vorhergehende nachricht jetzt zu zeigen scheint: nach des tagesspiegels marius meller stammen die sachsenwald-pornos sehr wohl aus der nazizeit.

jedenfalls zitiert meller aus dem brief eines rentners, der schreibt:
hiermit bestätige ich ihnen, dass mir im winter 1945/46 anlässlich einer privaten veranstaltung in stuttgart von verschiedenen herren von filmen pornographischen inhalts erzählt wurde, darunter der 'fallensteller' und 'frühlingserwachen im sachsenwald'. es soll sich um von der ss bzw. wehrmacht erstellte streifen handeln, die zum tausch und zur bestechung bei schwedischen personen dienten.

was sich alles ein bißchen nach hörensagenweitersagen anhört, aber thor kunkel selbst kann auch noch aufwarten:
schließlich habe er vor einiger zeit eine darstellerin der mutmaßlichen nazi-pornos im altersheim quickborn bei hamburg besucht. der alten dame sei das heute peinlich. aber ausgedacht habe sie sich die sache bestimmt nicht. im übrigen sei er romanschriftsteller und kein porno-wissenschaftler.

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